von RadioBW.Schlager1 Programmchef Marc Fischer (Sendung am 18.05.2026)
Krieg und damit verbundene Rüstungsgeschäfte als positiver Beitrag zum Geschäftsergebnis – so hat Mercedes-Benz-Chef Ola Källenius die mögliche Neuorientierung des Stuttgarter Autobauers gegenüber dem „Wall Street Journal“ formuliert. Nun könnte man das als hoffnungsvolles Statement für die wirtschaftlichen Perspektiven des Konzerns verstehen. Doch hinter den Aussagen steckt weit mehr. Sie sind eine schlichte und ehrliche Definition dessen, was Weltpolitik derzeit ausmacht.
Die Milliarden für den Krieg und dessen Fortsetzung sind nicht nur ein entscheidender Wirtschaftsfaktor – sie haben auch politisch ihren Reiz. Bomben, Raketen, Munition und Militärfahrzeuge – all das hält auch das schwächelnde Bruttoinlandsprodukt zumindest am Ausrollen. Deutschland ist das Paradebeispiel.
Die Automobilindustrie im freien Fall, innovative Forschung ein unliebsames Stiefkind, Fachkräfte Mangelware, und in Sachen Bildung liegen wir auf den hintersten Rängen. Vor diesem Hintergrund wäre es geradezu töricht, das einzustampfen, was nicht nur frühlingshaft Knospen schlägt, sondern wuchert: Die Militärindustrie. Die letzte Chance, um dem ganz großen Knall zu entgehen – oder blinden Auges herbeizuführen.
„Wir investieren in Verteidigung“, wird gern aus Berlin kommuniziert, um damit dem mündigen Bürger den Ernst der Situation gleichsam einer Flak einzutrichtern. Außerdem braucht es immer ein Alibi fürs Geldausgeben. Ist aber gelogen. In Verteidigung kann laut Definition nur der investieren, der angegriffen wird. Deutschland wird nicht angegriffen. An dieser Tatsache ändern auch nichts die in Interviews und Talkshows bis zum Gehtnichtmehr wiederholten Schreckensszenarien der ewig Gestrigen.
Wenn nichts mehr im Land läuft, bleibt immer noch das Kriegsszenario. Irgendein Konflikt findet sich immer – und wenn nicht, wird eben so lange darüber diskutiert, bis auch der Letzte nicht mehr Nein sagen kann. Ergo investiert der Staat einerseits Milliarden in Kriegstüchtigkeit. Ja, der Begriff ist schonmal gefallen – damals aus Versehen. Doch vielleicht beschert gerade diese ungewollte Ehrlichkeit dem Kriegsminister Pistorius unangefochtene Beliebtheitswerte innerhalb der Bevölkerung – glaubt man den einschlägigen Umfragen.
Andererseits finanziert die Bundesregierung den Krieg in anderen Ländern – allen voran der Ukraine. Bei Rheinmetall, Diehl Defence und wie sie alle heißen knallen fast täglich die Korken. Da wäre es doch geradezu vermessen, auf ein Kriegsende hinzuarbeiten.
Die deutsche Bundesregierung ist da nicht allein. Sie begeistert sich am blühenden Wirtschaftszweig mit vollem Engagement und in einhelligem Schulterschluss mit den übrigen „Willigen“, wie es so schön heißt. Leider wurde nie erklärt, was denn die Willigen eigentlich wollen.
Frieden sicher nicht. Sämtliche Friedensbemühungen – und mögen sie noch so absurd sein – sind in diesen Tagen fehl am Platze. Die zarten Pflänzchen der Diplomatie haben ausgedient. Denn am Ende geht es, wie wir Dank Ola Källenius nun wissen, stets um das „positive Geschäftsergebnis“ – da können wir noch so lange am Zaun des Kanzleramts rütteln.


