Albumkritik: „Schatzhauser“

0 Comments

Albumkritik von Marc Fischer

(03.10.2026) Liedermacher. Das klingt so anders als Texter, Komponist oder Songwriter.

Mit Liedermacher verbinde ich die bedeutsamen Namen der 1970er und 80er Jahre. Allen voran Hannes Wader, Franz Josef Degenhardt, Wolf Biermann und, nicht zuletzt, Reinhard Mey. Musiker, die es immer wieder schafften, aus ihrer poetisch-musikalischen Kunst hintergründige Kritik zu formulieren. Kritik an Politik und Gesellschaft.

Das war feinsinnige Anklage, emotionaler Aufruf und ein Anstoß zum selbstständigen Hinterfragen schon als unveränderbar geglaubter Entwicklungen. „Nein, meine Söhne geb ich nicht“, „Seid wachsam“, „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“, „Heute hier, morgen dort“ oder „Genug ist nicht genug“ – das waren Weckrufe, Statements, Positionen einer künstlerischen Szene, die es leider nicht mehr gibt. Die Mahner von damals sind verstummt.

Dass Reinhard Mey in diesen Tagen mit stolzen 83 Jahren mit „Schatzhauser“ erneut ein Nummer-1-Album gelandet hat – ich gönne es ihm von Herzen. Nein, ich freue mich, wirklich.

Der Schatzhauser ist jene Sagenfigur aus dem Hauffschen Märchen „Das kalte Herz“ von 1827. Er steht symbolisch für Zufriedenheit, Fleiß, Menschlichkeit und Ehrlichkeit. Das sind Attribute, die ohne jeden Zweifel auf einen wie Reinhard Mey zutreffen.

Wiewohl hätte ich mir gewünscht, dass im 30. Album von Reinhard Mey und gerade in diesen Zeiten mehr der einstigen Weckrufe stecken würden. So bleibt es eine hübsche Retrospektive eines einst tonangebenden Liedermachers, der einfach nur angekommen ist