Inzwischen schreiben wir Tag 15 nach dem Aus von „Immer wieder sonntags“ und dem trännenreichen Abschied von Moderator Stefan Mross. Noch immer beherrscht der 51-Jährige die Schlagzeilen – auch, wenn der anfänglich große Hype um möglicherweise fehlerhafte Entscheidungen und ungerechte Behandlung allmählich abebbt.
Geschaffene Identifikation
Man mag Mross’ emotionale Situation verstehen. Aus einem über Jahrzehnte erfolgreichen TV-Format abserviert zu werden, ist harter Tobak. Allerdings hätte gerade er aus gesammelten Erfahrungen innerhalb der Branche wissen müssen, dass im Fernsehen und bei Produktionen nichts für immer ist, dass von jetzt auf gleich alles vorbei sein kann. Sein nun größtes Problem ist seine über Jahre gewachsene und selbst geschaffene Identifikation mit dem Format.
„Immer wieder sonntags“ wurde zu Stefan Mross – und er selbst zu „Immer wieder sonntags“. Doch im Gegensatz zu manch’ anderen Persönlichkeiten in den ihnen auferlegten Rollen – man denke nur an Klausjürgen Wussow in der Figur des Prof. Brinkmann – versuchte Stefan Mross nie, dieses Image des IWS-Präsentators abzulegen, um sich Alternativen und eine unabhängige Personality aufzubauen.
Aufgewärmt statt unerwartet
Im Gegenteil. Wo immer Mross auf Veranstaltungen und Konzerten auftrat – ob musikalisch oder in Moderationen – pflegte er ein großes Stück „Immer wieder sonntags“. Daran hat sich bis jetzt nichts geändert. Bis heute versucht Mross mit denselben Witzen, Sprüchen und Liedern, bekannt aus Live-Show oder Warm-up, zu punkten und das Image des IWS-Moderators beizubehalten. Mross überrascht nicht mehr – er liefert Aufgewärmtes.
Wie lange ihm das nach dem Aus von „Immer wieder sonntags“ gelingen mag? Genau das ist die große Frage. Klar ist: Kein Sender wird das Format eines Vorgängers übernehmen. Second-Hand-Ware gilt medial als verpönt. Ergo muss sich Stefan Mross völlig neu erfinden. Er muss das sichere Nest des einstmals erfolgreichen endlich verlassen und lernen, auf eigenen Beinen zu stehen. Mit Vielfalt und Unerwartetem. Nur dann findet auch er einen neuen Ast zur Rast – bis auf Weiteres.


