Staffel-Auftakt mit angezogener Handbremse

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Lieber Stefan,

wer nach über 30 Jahren die Kündigung in der Tasche hat und vom Chef angewiesen wird, langjährigen Kunden überzeugend die Vorteile des Unternehmens zu präsentieren, wird es nicht anders ergehen als Dir – heute, am Sonntagmorgen um kurz nach 10 Uhr: Lächeln für die Kameras und fürs Publikum – doch im Inneren tobte ein Vulkan.

Mal ehrlich: Das war kein gewohnt lockerer Auftakt zu einer neuen, frischen Staffel von „Immer wieder sonntags“. Du hast gute Mine zu bösem Spiel gemacht und die Erwartungen an geschmeidige Unterhaltung mit angezogener Handbremse im ersten Gang gehalten. Vielfach wirktest Du unkonzentriert, als würdest Du eine Sache abarbeiten. Ja, diese Anmerkung kommt von jemandem, der Dich und IWS seit Jahren aufmerksam begleitet und zwischen den Bildern und Worten lesen kann.

Deine Gefühle hast Du vielsagend und hintergründig formuliert: Emotional werde diese erste Sendung, sagtest Du. Gleich mehrfach. Das Blinzeln kam in diesem Augenblick von der Sonne – klar. Das Problem: Dieser gefühlte Trauerflor sollte sich in den folgenden knapp 120 Minuten über die IWS-Arena in Rust legen. Das ist einerseits verständlich, andererseits dem Format nicht angemessen. Bedenke: „Immer wieder sonntags“ steht für gute Laune und Unbeschwertheit. Man möchte abschalten – und das sollte sich nicht auf die Fernbedienung beziehen.

Wie sehr Du, Stefan, und, nicht zuletzt, die Gäste an die strikten Vorgaben des ausführenden Senders zum Thema – oder Nicht-Thema – gebunden sind, zeigte sich an den Gesprächen: Auch von Stammgästen wie Andy Borg oder den Nockis kein Wort zum Aus, kein Wort des Dankes oder Worte zum Abschied. Warum? Alles ist gesagt. Wir können offen reden.

Natürlich, es folgen noch zwölf Ausgaben bis zum bitteren Ende. Doch viele von den heute und an den nächsten Sonntagen auftretenden Künstlerinnen und Künstlern werden wir zumindest im Europa Park und vor dieser Kulisse und als Deine Gäste nicht mehr wiedersehen. Sie haben sich heute von einem Traditionsformat verabschiedet. Still und leise. Andere werden folgen.

Deshalb, mein lieber Stefan: Gas geben – erst am 6. September fällt der Vorhang. Erst dann wird sich zeigen, was bleibt.

Marc Fischer, Programmleitung RadioBW.Schlager1

Stefan Mross beim Warm-Up zum Auftakt der finalen Staffel von "Immer wieder sonntags". (Bild: RadioBW)

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