von RadioBW.Schlager1 Programmchef Marc Fischer (gesendet am 09.06.2026 um 8:10 Uhr)
Es ist erschreckend, mit welch kontemplatorischer Wertung die Presse die neuen Meldungen zur möglichen Fertigstellung des Bahnprojekts „Stuttgart 21“ kommentiert. Jetzt also Ende 2031. Vielleicht. Es kann aber auch ein paar Jahre später werden. Interessiert das noch jemanden?
Mit Blick auf das Medienecho, wohl kaum. Da wird analysiert, nach Erklärungen gesucht, ein wenig kritisiert. Man hat sich – so scheint es – an diese Stimmung des „Komm’ ich heut’ nicht, komm’ ich morgen – oder irgendwann einmal“ gewöhnt.
Das ist die eigentliche Tragik von Deutschlands Lage im Juni 2026. Im Grunde interessiert niemanden mehr, ob etwas funktioniert, realisiert oder pünktlich fertiggestellt wird. Die Deutsche Bahn kann letztlich machen, was sie will. Denn niemand stört sie und sich an diesem Desaster, an dem nicht allein der Konzern, sondern auch und gerade die Politik die maßgebliche Verantwortung tragen.
Es ist dieser Gleichklang der Bedeutungslosigkeit allerorten und aller Bereiche. Gefühlte Machtlosigkeit gegenüber denjenigen, welche die Macht für sich beanspruchen und sie weit über alle Grenzen hinweg ausnutzen. Auf dem Rücken von uns allen. Der vielzitierte „Ruck durch Deutschland“ reicht schon lange nicht mehr. Es müsste ein Tsunami sein, der die Situation im Lande möglicherweise ändern könnte.
„Stuttgart 21“ ist nur ein Beispiel. Aber es steht für vieles. Ein weiterer Witz, über den man nicht lachen kann. Ein Rohrkrepierer unternehmerischer, wirtschaftlicher und politischer Phantasten und Nichtsnutze, die Geld und Werte über Jahre mit Füßen getreten haben und weiterhin treten werden. Der deutsche Michel schweigt und akzeptiert. Sicher nicht mehr bis 2031…


